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e-bike-sommer021Die Neugier war schon im Februar 2010 groß, als wir die ersten E-Bikes bekamen, die für unseren Fahrradverleih vorgesehen waren. Ganz normale Touren Räder mit 8-Gängen und Elektrounterstützung. Da es der Winter bald zuließ, konnten wir schon im März, zu ersten kleinen Testrunden aufbrechen, alle drei Generationen unseres Hauses waren mit dabei. Mit Kinderanhänger und Anhängerad im Schlepptau waren wir alle schnell begeistert von der Leichtigkeit des Fahrens mit einem Pedelec°.

(°Pedelec = E-Bike, bei dem man treten muss und vom Motor unterstützt wird, bis 25 Km/h)

Schnell waren wir überzeugt, wir sind jetzt in der Zukunft angekommen. Es war klar, im Allgäu braucht man nicht nur ein 8 Gänge Tourenrad, sondern zum sportlichen radeln, am Berg, ein Mountainbike mit Hilfsmotor. Da dies noch von keinem Hersteller lieferbar war, griffen wir zum Bausatz und haben den stärksten Motor auf dem Markt in ein vollgefedertes Mountainbike eingebaut. Nach mehreren Testfahrten wussten wir, um zu zweit auf Tour gehen zu können, brauchen wir auch zwei gleich starke E–Bikes, sonst ist einer immer im Nachteil.

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Schon bald waren wir nur noch mit den verschiedenen E-Bikes auf Tour. Meist im Schlepp, die Kinder. Erst ein paar Runden im flachen, zum Alpsee, rundherum durch die Oberallgäuer Dörfer und die Schmalzblumenwiesen des Allgäuer Frühlings, schnell wurden die Touren länger. Dann, sobald es die Schneelage in den Bergen zuließ, immer weiter auch hinauf. Mit welcher Leichtigkeit es sich samt Kinderanhänger bergauf radelt, erstaunt uns immer wieder aufs Neue und lässt uns ins Schwärmen geraten. Schon im Mai waren wir das erste Mal über Rohrmoos mit den Kindern ins Kleinwalsertal gefahren.

e-bike-sommer04Bestaunt wird man mit den Mountainbikes mit Motor fast überall. Am Oytalhaus zum Beispiel sammelte sich mal eine ganze Traube Radler um unsere am Zaum abgestellten Bikes.

Immer wieder das Erstaunen darüber, dass es so etwas überhaupt schon gibt. Aber auch immer wieder die Fragen, „braucht man das in Eurem Alter“ (Mitte dreißig) denn schon, das ist doch nur was für Rentner. Unsere Überzeugung ist, man muss es nicht haben, aber so macht Radeln noch viel mehr Spaß, und nur für Rentner ist das E–Bike längst nicht mehr.

Bei allen Touren, aber vor allem wenn es über viele Höhenmeter hinauf geht, reicht es oft nicht aus, einen starken Motor zu haben, sondern auch die eigene Leistungsfähigkeit sollte vorhanden sein, denn Schwitzen muss kann man auch mit einem E–Bike noch. Der beste Motor kann nur die eigene Kraft im bestimmten Maß vervielfachen. Ist man selbst am Berg mit der eigenen Kraft am Ende, kann auch der Motor keine Höchstleistungen mehr bringen.

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So kommt es zum Beispiel vor bei Rentnern oder untrainierten Fahrern, die selber nicht genügend Eigenleistung bringen können, dass der Motor am Berg irgendwann abschaltet, da er überhitzt. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Tour zu steil war für den Fahrer. Das heißt für den E –Biker, realistisch bleiben und sich selbst und sein Bike richtig einschätzen lernen. Eine Tour die andere mit einem Mountainbike machen, kann ich nicht mit meinem Trekking E-Bike rauffahren. Leider wurde dies von Händlerkollegen fälschlich so beworben.

Es hieß „Jeder kann mit dem E-Bike mit über15 Km/h auch steile Radtouren wieder fahren“.

Auch für viele Sportler ist das E–Bike das ideale Trainingsgerät, da man das Kardiotraining durch den gezielten Einsatz des Motors viel besser optimieren kann.

Auf vielen Höhenmetern hat uns das E-Bike letzten Sommer auf Touren zur Käseralpe im Oytal, der Schlappold Alpe am Fellhorn, oder der Grüntenhütte unterm Gipfel des Grünten, aber auch viele lange Touren wie über „Oberstaufen, Hittisau nach Rohrmoos“  oder durchs Lochbachtal nach Balderschwang, dort hinauf zur Hölleritz und über Gunzesried zurück, sehr viel Fahrspaß bereitet. Im Gesamten weit über 2000 km alleine letzten Sommer, die Höhenmeter haben wir gar nicht gezählt.e-bike-sommer06

Übrigens hat sich der Werbespruch eines Herstellers bewahrheitet,

„Wir zaubern Ihnen ein lächeln ins Gesicht“.

Viel haben wir gelernt im Umgang mit den verschiedenen Pedelec´s, was uns die Hersteller so gar nicht vermitteln konnten. Durch unseren Verleih hatten wir natürlich auch die Möglichkeit die verschiedensten Modelle ausgiebig selbst auszuprobieren, aber auch im Gespräch vieles über die Eindrücke und AHA Erlebnisse der Leihrad- und Test Kunden erfahren.

So hat sich zum  Beispiel herausgestellt, wir brauchen nicht unbedingt eine Akku–wechsel – Station, wie von manchem Verleih Unternehmen vermarktet, um die Reichweite zu erweitern, sondern nur eine Steckdose. In einer Stunde Ladezeit, während einer Einkehr, lässt sich die Reichweite des Akku, je nach Fahrrad – Modell um bis zu 30 Kilometer erweitern. Dies ist auch für die Gastwirte an den Fahrradrouten wichtig, wer damit wirbt, bei der Einkehr ist das Akkuladen kostenlos dabei, zieht natürlich auch die E-Biker an. Und in einer Stunde Ladezeit kostet dies dem Wirt gerade mal 3 – 6 Cent Strom.

Auf unserer Homepage finden interessierte E Biker eine Karte mit den Gastwirten in der Umgebung, die schon mit diesem Ladeservice werben.

Wichtig bei uns im Allgäu, ist aber vor allem ein großer, leistungsfähiger Akku und das richtige Rad für seine Bedürfnisse. Die Reichweite, die von manchem Hersteller auf bis zu 150 km angegeben wird, ist bei uns fast nie zu erreichen.

Es hängt von vielen Faktoren ab, wie weit man mit seinem Bike kommt, so ist das Fahrergewicht genauso, wie die Strecke die man fährt, wie viel Steigungen sind dabei, wie stark lasse ich mich unterstützen und auch wie leistungsfähig bin ich selbst, für die Reichweite ausschlaggebend.

Zusammen mit der Batterieanzeige am Display und ein paar Radtouren um Erfahrung zu sammeln, hat jeder bald herausgefunden, wie er sein Rad richtig nutzt, um möglichst weit zu kommen oder möglichst viel Spaß zu haben.

Von den ersten Alpenüberquerern mit E-Bike wird es im Sommer bestimmt auch noch zu hören geben, hierzu fehlt uns selbst leider die Zeit. Aber machbar ist das mit dem Richtigen E–Bike ohne Zweifel.

Ich wünsche allen E-Bikern und Neulingen einen schönen Sommer 2011.

Toni Voggel.